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Der Kirchenbau in Hollen vor 100 Jahren

von Georg Seemann

Vorgeschichte - Planung und Bau - Einweihung

Inhaltsübersicht:

Die alte Kirche
1. Ihre Entstehung
2. Der alte Kirchenbau
3. Die Kirchenplätze

Die Bevölkerungsentwicklung
1. Im Kirchdorf Hollen
2. Auf den Fehnen

Platzprobleme in der alten Kirche
1. Ausbau im Kirchenschiff
2. Neuverpachtung der Kirchenplätze im Jahr 1890
3. Diskussionen über Anbauten
4. Neubauplanung und Forderungen der Fehngemeinden

Der Neubau
1. Ankauf eines Grundstücks
2. Finanzierung und Bauvergabe
3. Neubau des Glockenturms
4. .Eigentumsrecht" und .Alte Kirche"
5. Ankauf einer neuen Orgel
6. Fertigstellung und Einweihung

Literatur:
I . Chronik der ev.-luth. Kirchengemeinde zu Hollen
2. Chronik der Schule zu Hollen
3. Aufzeichnungen des Schulleiters Jürgen Janssen Schoone
4. Festschrift" 150 Jahre Südgeorgsfehn" (1829-1979)

 

Die alte Kirche

1. Ihre Entstehung

Die ehemalige Hollener Kirche stand auf dem "alten Friedhof" östlich von der Pastorei. Über das Baujahr läßt sich nichts Bestimmtes nachweisen, es scheint aber wohl sicher zu sein, daß sie bereits in vorreformatorischer Zeit errichtet worden ist. Darauf deuten zwei Fakten hin:

Auf dem Schalldeckel der Kanzel ist eine Marienfigur befestigt gewesen. Sie ist später abgenommen worden und hat noch zu Pastor Kortmanns Zeiten (1878 - 1924) auf dem Dachboden der Pastorei gelegen. Auch soll in einer Nische ein Behälter mit einer Reliquie eingemauert gewesen sein. In dem Behälter soll sich nach einer Version ein Schienbein, nach einer anderen aber nur Kalkstaub befunden haben.

Nach mündlicher Überlieferung, so heißt es übereinstimmend in den Chroniken, soll es in früher Zeit in Hollen nur drei Höfe gegeben haben. die von breiten und tiefen Gräben umgeben und so gesichert waren: Die Höfe sollen dort gestanden, haben, wo Ende des letzten Jahrhunderts sich die Platzgebäude von Andreas Baumann, Martin Kaling und Hermann Brakenhoff befanden. Die drei Besitzer dieser Höfe sollen aus eigenen Mitteln die Kirche haben bauen lassen.

2. Der alte Kirchenbau

Wie sich beim Abbruch der alten Kirche herausstellte, hatte sie kein eigentliches Fundament. Man hatte dicke Findlinge als Unterbau genutzt und darauf die Mauem errichtet. Diese waren recht unregelmäßig gebaut, weil sie "teils aus dicken Backsteinen und teils aus massigen Findlingen zusammengefügt waren". Die Backsteine sind früher im "Lehmdobbenstück" hergestellt worden.

Die Weide, in dem Winkel nördlich der Ehe und östlich der Friesenstraße gelegen, trägt noch heute diese Bezeichnung. Das Dach ist mit "rundlichen Dachpfannen gedeckt gewesen, die nicht genügend schützten". Bei diesem Bau waren Reparaturen vorprogrammiert. Der Glockenturm muß in ähnlicher Weise aufgebaut worden sein. Es wird berichtet, daß im Jahre 1657 die Kirche einen neuen Fußboden erhielt und die Kirchengemeinde "den alten Klockentorn abgenommen, renoviert, aber verkleinert hat."

Für eine erforderliche Reparatur des Daches und des Westgiebels im Jahre 1782 konnten die finanziellen Mittel nicht aufgebracht werden, deshalb "wurde in Stadt und Land eine Collecte dafür abgehalten", die nach Abzug aller Kosten für die Durchführung einen Betrag von mehr als 184 Gulden einbrachte.

"Der Glockenturm, ein unansehnliches Ding, steht noch auf dem alten Platze, südseits der Kirche. Oben auf demselben zeigt ein von einer Mamsell Stoffels im Jahre 1850 geschenkter Schwan die lutherische Konfession der Gemeinde Hollen und zugleich die Windrichtung an." So schreibt Hauptlehrer Schoone in seiner Chronik. Erst im Jahre 1839 wurde für den Hollener Glockenturm eine zweite, kleinere Glocke in Stikelkamperfehn gegossen.

3. Die Kirchenplätze

Ursprünglich hat es in der alten Kirche nur 63 Sitzplätze in 7 Bankreihen gegeben. Diese wurden durch einen Mittelgang, der die Kirche vom Chor am Ostgiebel nach Westen durchteilte, in eine viersitzige und in eine fünfsitzige Bank getrennt.

Die Kirche hat man anfangs durch eine Eingangstür an der Südfront betreten. Zwischen Chor und Kanzel im Ostteil und den Bankreihen westlich davon muß sich ein recht breiter Eingangsbereich befunden haben, denn als man später wegen Platzmangels den Eingang an der Südseite zumauerte und ihn in den Westgiebel verlegte, konnte man zusätzlich noch neun Bankreihen aufstellen und die Zahl der Sitzplätze auf fast 150 erhöhen.

Fast alle Kirchenplätze waren im Besitz der "Interessenten", so nannten sich die ortsansässigen Bauern. Durch Kauf oder Vererbung hatte man das Eigentumsrecht erworben. Die Bänke waren "in volle-, halbe-, viertel-, ja sogar in sechstel Bänke aufgeteilt und bildeten ein immerwährendes Streitobjekt in der Gemeinde."