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Der Neubau

Hollener Kirche

Ankauf eines Grundstücks

Überraschenderweise ergab sich dann die Gelegenheit, einen geeigneten Bauplatz zentral im Dorf anzukaufen. Der Gemeindevorsteher Andreas Schulte bot einen Platz südlich der alten Schule (heute: Denkmalsplatz) an. Am 28. April 1893 wurde dieses Gelände für 3.000 M erworben. Vor Ort waren nun alle Probleme gelöst. Aber Schwierigkeiten gab es noch. als Kirchenbaumeister Hase auf einer Nord-Süd-Richtung des Kirchengebäudes bestand. Nach längeren Verhandlungen von Pastor Kortmann in Hannover gab schließlich Herr Hase dem Wunsch des Hollener Kirchenvorstands nach und akzeptierte die West-Ost-Orientierung der Kirche.

Finanzierung und Bauvergabe

Es mußten intensive Gespräche wegen der Baufinanzierung geführt werden. "Mit der Ostfriesischen Bank in Leer wurde eine Anleihe über 44.800 M abgeschlossen, verzinslich zu 4 % unter Abtragung von jährlich 800 M." Schließlich kam es nach Öffnung der Offerten "zur Ausverdingung des Baues. Dem Zimmermeister Büsker in Loga wurde unter dem 30. Juli 1894 auf seine Offerte ad 25.959 M 18 Pt der Zuschlag erteilt." Die Grundsteinlegung erfolgte Oktober 1894 unter großer Beteiligung der Kirchengemeinde. Als Text zur Rede wurde Psalm 118, Vers 24/25 gewählt: "Dies ist der Tag, den der HERR macht; laßt uns freuen und fröhlich an ihm sein. O HERR, hilf! O HERR, laß wohlgelingen!" Bei dieser Feier waren die Grundmauern bereits 1 ,50 m hoch. Anschließend wurden die Arbeiten wegen des nahenden Winters eingestellt.

Neubau des Glockenturms

"Für die Kirche war ursprünglich nur statt des Glockenturms ein Dachreiter vorgesehen, während die Glocken in dem alten Turm auf dem Friedhofe verbleiben sollten." Einige Kirchenvorsteher und Organist Schoone brachten immer wieder das Thema "Glockenturm" in die Diskussion, und so wurde am 22. März 1895 ein Neubau beschlossen, dessen Kosten aber höchstens 5.000 M betragen durften. Das vom Kirchenbaumeister Hase vorgelegte Turmprojekt übertraf den Kostenrahmen, deshalb wurde eine Verkürzung des Turms um 7 m vereinbart. "Die Kosten waren dann veranschlagt auf 6.342 M 72 Pt, nach Abzug der Ersparnisse für die nun wegfallende Vorhalle der Kirche auf 4.799 M 40 Pt." Der Bau des Glockenturms wurde ebenfalls an Zimmermeister Büsker aus Loga vergeben. Eine Beihilfe von 5.000 M durch den Minister für geistliche Angelegenheiten und ein Zuschuß von 5.000 M aus dem Notstandsfonds des Kgl. Landes-Consistoriums erleichterten die Finanzierung des gesamten Bauvorhabens.

"Eigentumsrecht" und "Alte Kirche"

Es stand außer Frage, daß ein Modus gefunden werden mußte, um die Interessenten für ihre Eigentumsrechte in der alten Kirche zu entschädigen. Die Sitzplatzeigentümer forderten 10M pro Platz, die wollte aber der Kirchenvorstand nicht bewilligen. Nach schier endlosen Verhandlungen schaltete sich der damalige Landrat Dr. Graf von Wedel persönlich ein, kam nach Hollen und erzielte folgende Regelung, die auch die Verwendung der alten Kirche klärte: Die Interessenten verzichten auf ihre Eigentumsrechte. Als Abfindung erhalten sie das alte Kirchengebäude mit dem Grundstück, den alten Glockenturm und die Orgel. Der Verkauf der beiden Gebäude auf Abbruch, des freigewordenen Grundstücks zu Grabstellen und der Orgel an die Kirchengemeinde Warsingsfehn "erbrachte ca. 2.600 M. Damit erhielten die Interessenten pro Sitz ca. 18,5 M vergütet. Die Herren Kirchenvorsteher hatten sich also arg verrechnet." So kommentiert Schulleiter Schoone das Ergebnis. Kronleuchter, die Kanzel von 1655 und die bei den Glocken wurden der neuen Kirche überwiesen. Der im Jahre 1850 "von der Jungfrau Stoffels für den alten Turm gestiftete Schwan soll nach erneuerter Vergoldung den neuen Turm zieren". Mit der Regelung dieser Angelegenheit war ein langjähriger Zankapfel in der Gemeinde beseitigt." So beendet Pastor Kortmann dieses Kapitel in der Chronik. Zukünftig mußten alle Kirchengemeindeglieder ihre Plätze in der neuen Kirche mieten. Die Verpachtung der Plätze in der Kirche erfolgte fünf Tage nach der Einweihung, also am Freitag, dem 16. Oktober 1896. Schon vorher war die Frage der Sitzplätze für die Pastorenfamilie, für den Kirchenvorstand und für die Lehrerfamilien aus den drei Gemeinden geklärt und die beiden hintersten Bänke im südlichen Kreuzschiff als Freisitze bestimmt worden. "Die erstmalige Verpachtung der Sitzstellen ergibt die Summe von annähernd 1 .000 M, eine recht ansehnliche Summe zur Bestreitung der Kirchenlasten." schreibt der Verfasser der Schulchronik. In einer Randnotiz vermerkt er an anderer Stelle zu den finanziellen Verpflichtungen der Kirchengemeinde gegenüber der Ostfriesischen Bank in Leer (Anleihe von 44.800 M): "In der Inflationszeit mit einem Hunderttausendmarkschein restlos bezahlt. 1.11.1923"

Ankauf einer neuen Orgel

Es hatte sich herausgestellt, daß eine Restaurierung der alten Orgel zu kostspielig und auf Dauer zu unrentabel werden würde. Deshalb wurde sie verkauft und die Anschaffung eines neuen Instruments beschlossen. Eine Hollener Kommission besichtigte Orgeln in Loga, Filsum und Apen. Man entschied sich für ein Gegenstück zur Apener Orgel und bat den Hersteller, den Orgelbaumeister Schmid aus Oldenburg, um ein Angebot. Ihm wurde daraufhin der Auftrag zum Bau der Orgel zum Preise von 3.800 M erteilt. "Das Consistorium in Aurich machte die Einweihung der Kirche abhängig von der Ablieferung der Orgel. Anfang September 1896 stand dieselbe zur Abnahme bereit." Diese erfolgte sehr kurzfristig und ergab keine Beanstandungen.

Fertigstellung und Einweihung

Der Kirchenneubau wurde rechtzeitig zum vorgesehenen Einweihungstermin am 11. Oktober 1896 fertig gestellt und vom Aufsicht führenden Architekten Jacobs aus Hannover abgenommen. Schulleiter Schoone vermerkt dazu in seiner Chronik: "Als der ganze Bau fertig war, sagte mir der Architekt wörtlich: Bei all unseren Kirchenbauten haben wir einen solch zuverlässigen Meister noch nicht gehabt. Herr Schoone, wenn Sie irgendwelche Fehler oder Mängel wissen, so zeigen Sie mir solche; ich kann mit dem besten Willen nur verschwindende Kleinigkeiten finden". Für den Einweihungstag, dem 19. Sonntag nach Trinitatis, hatte der Generalsuperintendent Barsing aus Aurich die Festordnung festgelegt. Das Programm sollte am 11. Oktober um 12 Uhr mit der letzten Versammlung in der alten Kirche beginnen. Nach dem Zug der Schulkinder, der Ehrengäste, der Pastoren, der Kirchenvorsteher und des Baumeisters Hase und der Gemeindeglieder zur Umrundung der neuen Kirche war die Schlüsselübergabe durch Baumeister Hase an den Generalsuperintendenten Barsing und weiter an den Ortspastor Kortmann vorgesehen. Der Weiheakt sollte nach dem Aufschließen der Kirche mit dem Vorspiel der neuen Orgel anfangen; danach sollte sich der Festgottesdienst mit Pastor Kortmann als Prediger anschließen. Über den 11. Oktober 1896 schreibt Pastor Kortmann: "Es war ein köstlicher, unvergeßlicher Tag für die Gemeinde, dieser Einweihungstag. Während es an den Tagen vorher und gleich am Tage nachher wieder regnete, leuchtete an dem Tage selber die Sonne in schönstem Glanze." Der Ort, der Festplatz und die neue Kirche waren festlich geschmückt; die zahl der Gäste aus nah und fern, "zu Fuß oder zu Wagen angereist", war sehr groß. In der neuen Kirche sollen sich schätzungsweise 1500 Personen befunden haben; "viele aber haben draußen bleiben müssen". Dem Schlußgottesdienst in der alten Kirche konnte nur ein Bruchteil der Anwesenden beiwohnen. Als Ehrengäste waren der Consistorialpräsident Scheffer aus Aurich und der Landrat Dr. Graf von Wedel aus Loga erschienen. Superintendent Schaaf aus Potshausen hielt die Schlußpredigt über Hebr, 13, Vers 8: "Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit". Nach dem Gesang "Unsern Ausgang segne Gott" verließ man das alte Gotteshaus viele Menschen schweren Herzens - und formierte sich zum Zug zur neuen Kirche zur Einweihungsfeier. Generalsuperintendent Barsing, Aurich, verlas nach dem Gesang "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" den 84. Psalm "Freude am Hause Gottes" und hielt dann die Einweihungsrede über 1. Mose 28, Vers 17: "Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts als Gottes Haus; hier ist die Pforte des Himmels". Im Festgottesdienst predigte dann der Ortsgeistliche Pastor Kortmann über Johannes 5, Verse 1-9. "Das Thema war: Das Gottes-Haus ein Gnaden-Haus. Sehet: 1.) Wozu es uns dienen kann! 2.) Wozu es uns auch dienen soll!". Zum Abschluß der Feierstunde sang die Gemeinde "Nun danket alle Gott". Am Sonntag, dem 18. Oktober, dem Erntedankfest des Jahres 1896, wurde zum ersten Male das Heilige Abendmahl in der neuen Kirche ausgeteilt.